Archiv für April 2008

Die Schweiz ist raus!

30.April 2008

Die EM In Österreich und der Schweiz nähert sich mit Riesenschritten. Gewöhnlicherweise fällt es mir nicht schwer, zu entscheiden, welche der Mannschaften ich im Verlaufe eines solchen Turniers emotional unterstützen werde. Aus verschiedensten Gründen hängt mein Herz dieses Jahr immer noch an fünf Teams. Das sind zwei bis drei zu viel. Es ist nichts Verwerfliches dabei, zwei oder auch meinetwegen drei persönliche Favoriten zu haben. Es muss ja auch nicht unbedingt das sogenannte Heimatland sein, finde ich. Diese Einstellung ist offen, locker und entspricht den Gegebenheiten unserer medial vernetzten und globalisierten Welt. Wie gesagt, zwei oder meinetwegen drei Teams sind in Ordnung. Falls sie nach den Gruppenspielen aufeinandertreffen, kann man sich die Prioritäten immer noch überlegen. Fünf Teams emotional zu unterstützen, ist allerdings unmöglich. Zumindest ich kann das nicht. Fünf von 16, das ist zuviel für mich. Da fühlt man sich fast schon wie jemand, der “Dabeisein ist alles” oder “Der Bessere möge gewinnen” sagt, und das ist aus der Perspektive eines emotionalen Unterstützers der größte Schwachsinn überhaupt. Aus mannigfaltigen Gründen kommen also Deutschland, Frankreich, Kroatien, Polen und die Schweiz für mich in Frage. Und mein Problem ist, dass ich innerhalb der kommenden Wochen zwei dieser Teams aus meiner persönlichen Favoriten-Liste streichen muss. Am Wochenende war ich auf einem großen Fest. Eigentlich hatte ich keine Lust, auf dieses Fest zu gehen, weil ich DSDS anschauen wollte. Dann habe ich mich aber doch noch aufgerafft. Ich wollte unbedingt auf dieses Fest gehen, weil ich das unbestimmte Gefühl hatte, dass ein Mädchen, das ich seit Wochen sehr attraktiv finde, das anzusprechen ich bislang allerdings keine Gelegenheit gefunden hatte, auf dem Fest anwesend sein würde. Gibt es eine bessere Gelegenheit, ein Mädchen anzusprechen, als einen lauen Frühlingsabend, an dem alle schon mindestens drei Bier getrunken haben? Sie würde nur da sein müssen, dann würde sich alles von alleine ergeben, dachte ich. Sie war auch da, stand anfangs allerdings in einer Gruppe von Leuten, die ich nicht kannte. Es ist ja bekanntlich das Schwierigste überhaupt, einfach so in eine Gruppe unbekannter Leute reinzuplatzen und ein Gespräch mit einem Mädchen, das man zu mögen glaubt, anzufangen. Also habe ich mich mit anderen Leuten unterhalten und auf eine bessere Gelegenheit gewartet. Die Gelegenheit ergab sich etwa nach einer Stunde, als ich sie von weitem in einer abgelegenen Ecke der Festörtlichkeit alleine auf einem Fenstersims habe sitzen sehen. Ich bleibe stehen, drehe eine verwirrte Pirouette zwischen den anderen Festbesuchern, zünde mir eine Zigarette an, überlege und denke nach, was am besten zu tun wäre, bis ich endlich zu dem Entschluß komme, dass es hier und jetzt nichts zu überlegen gibt. Daraufhin gehe ich schnurstracks, wie man sagt, auf sie zu, noch 15 Meter, noch 10 Meter, noch fünf. Bis ein Typ mit zwei Bierbechern aus einer Seitentür rauskommt und sich zu ihr gesellt. Ehrlich gesagt hatte ich den Typen schon eine Stunde zuvor in ihrer Nähe gesehen und angefangen mir diesbezüglich Sorgen zu machen, aber mir war klar, dass man sich in solchen Zuständen immer etwas übertriebene Sorgen macht, deshalb habe ich nicht weiter an ihn und die Beziehung, in der er zu ihr stehen könnte, zu denken versucht. Jetzt ist er mir zuvor gekommen und hat sich bei ihr in der abgelegenen Ecke der Festörtlichkeit breit gemacht. Optimist, der ich bin, habe ich mir gleich gesagt: “Ruhig Blut, das muss ja alles nichts heißen. Du gehst jetzt mal woanders hin, hast ein bißchen Spaß bei den spaßigen Sachen, die die Festveranstalter sich für dich ausgedacht haben, und sobald sie das Bier ausgetrunken haben, ist der Typ auch schon wieder weg.” Im Verlaufe der nächsten Stunde habe ich etwa fünfzehn Gründe gefunden, an der abgelegenen Ecke der Festörtlichkeit zufällig vorbeizuschlendern. Aber sie klebten immer noch aneinander, als ob es nichts um sie herum gäbe. Nach über einer Stunde war die abgelegene Ecke der Festörtlichkeit menschenleer. Nach zwei Stunden hatte ich sichergestellt, dass sie sich in keiner Ecke der Festörtlichkeit mehr aufhält und also das Fest verlassen hat. Wenn ich wenigstens den Typen wiedergesehen hätte. Aber er war offenbar auch schon weg. Was alles in allem eine Schlußfolgerung nahelegte, die ich nur mit zwei Bechern Bier auf ex verkraften konnte. Was das alles mit der EM und den Teams, die ich emotional unterstützen werde, zu tun hat? Der Typ hat eine dieser Retro-Trainingsjacken getragen, die Jacke war rot, und ich glaube, auf der linken Brustseite ein Emblem mit dem Schweizer Kreuz gesehen zu haben. Das alles ist für mich Grund genug, die Schweiz aus meiner Liste zu streichen. Die Uhr tickt. Die EM nähert sich mit Riesenschritten. Deutschland, Frankreich, Kroatien, Polen. Für eine der Mannschaften wird es eng bei mir.

Bristol

29.April 2008

So ein schöner, sonniger Frühlingstag, aber, ach, ich fühl mich trotzdem wie die neue Portishead-Scheibe.

Florenz

13.April 2008

Gestern war ich aus Gründen, die mehr als zur Hälfte nichtprivater Natur waren, in Florenz. Es war mein erstes Mal in Italien. Von Italien und seinen Bewohnern hatte ich bislang keine gute Meinung, habe mich allerdings immer dagegen zu wehren versucht, eine diesbezüglich schlechte Meinung zu haben, weil Klischees immer schlimm sind und böse ins Auge gehen können. Nach dem einen Tag in Florenz habe ich von Italien und seinen Bewohnern und Bewohnerinnen eine sehr gute Meinung. Ich mag es in Italien, zumindest wenn Florenz und Milano Centrale irgendwie repräsentativ sein können. Italien ist offensichtlich nicht nur das Land, wo die Zitronen blühen, die Heerscharen deutscher Bildungsbürger seit Jahrhunderten anlocken, und es ist auch nicht von Typen wie Marco Materazzi bevölkert, die einem die Schwester beleidigen. Ich mag es in Italien. Es ist ein bißchen wie Polen, nur sind die Leute noch netter. Kurz bevor ich wieder zum Bahnhof mußte, habe ich noch eine Flasche Chianti einkaufen wollen, weil der Chianti aus der Gegend kommt, und weil ich wußte, dass zuhause nur noch eine angebrochene Flasche billigen argenitischen Malbec auf mich warten würde. Ich habe auch relativ schnell eine Weinhandlung entdeckt, die allerdings sehr edel aussah, was mich fast dazu bewogen hätte, sie nicht zu betreten. Ich habe in Deutschland und anderswo, hauptsächlich in Scheißparis, die schlechte Erfahrung gemacht, sehr herablassend von Weinhändlern behandelt zu werden. Sie verstehen meist nicht, dass es für jede Situation ein anderes Kriterium der Weingüte gibt, dass man beispielsweise bei einem Wein, den man nicht als Gastgeschenk mitbringt, sondern in aller Ruhe alleine trinken möchte, auch mal ein paar Euro weniger ausgeben kann und sollte. Das verstehen viele Weinhändler und Weinhändlerinnen nicht, weil sie Weinfaschisten sind, wenn ich mich so ausdrücken darf, und das führt oft dazu, dass ich im Supermarkt den teuersten Wein einkaufe, statt den billgsten Wein beim Weinhändler zu kaufen und dabei weitaus mehr Geld ausgebe, als ich eigentlich vorhatte, als ich noch dachte, dass ich zum Weinhändler und nicht in den Supermarkt gehen würde. Das ist zum einen schlecht für mich, zum anderen schlecht für die Weinhändler. Jedenfalls bin ich dann doch in den florentinischen Weinladen reingegangen und habe angefangen, mich in den Regalen umzuschauen. Bald sind mir hinten im Laden zwei ältere Frauen aufgefallen, die offensichtlich die Weinverkäuferinnen des Ladens waren, in dem ich mich umzuschauen begonnen hatte. Sie waren beide kleiner als 1,50m, hatten beide lockiges, graumelliertes Haar und redeten sehr schnell und wild gestikulierend miteinander, ohne mich eines Blickes zu würdigen. Das fand ich schon mal sehr angenehm. Nach einiger Zeit hat eine der beiden Frauen doch noch Notiz von mir genommen und mich auf Italienisch, einer Sprache, der ich nicht besonders mächtig bin, angesprochen. Ich habe ihr zu verstehen gegeben, dass Italienisch eine Sprache ist, der ich nicht besonders mächtig bin, woraufhin sie sofort, ohne mit der Wimper zu zucken und völlig selbstverständlich in einer Art Esperanto aus Französisch, Italienisch, Englisch und Deutsch mit mir zu reden begonnen hat. “Was machst Du hier? Wo kommst Du her? Was für einen Wein suchst Du? In welcher Preisklasse? Gefällt Dir Florenz? Etc.” Es war sehr angenehm, mit ihr und später auch mit ihrer Kollegin zu reden. Wir haben uns mit Händen und Füßen verständigt, ich habe Ihnen Komplimente gemacht, die sie richtig, d.h. mit einem zugedrückten Auge, verstanden haben, und wenn die Umstände andere wären, hätte ich nichts dagegen gehabt, eine Flasche Wein mit den beiden zu trinken, und sie wohl auch nichts. Ich habe zwei eigentlich viel zu teure Flaschen toskanischen Rotweins gekauft, bereue es aber überhaupt nicht, denn der Einkauf hat Spaß gemacht, und der Wein schmeckt auch wirklich sehr gut. Nun gut, kann man jetzt sagen, sie sind halt besonders geschäftstüchtig gewesen, die beiden Weinhändlerinnen in Florenz. Aber das würde so klingen, als ob Geschäftstüchtigkeit irgendwas mit über den Tisch Ziehen zu tun hätte. Hat es aber nicht. Erstens gibt es geschäftstüchtige Weinhändler, vor allem in Scheißparis, bei denen man sich nicht ansatzweise so aufgehoben fühlt, wie ich mich in dem Weinladen in Florenz gefühlt habe. Und zweitens ist - abgesehen von marxistischen Bedenken, die ich ab und zu auch habe - nichts gegen Geschäfttüchtigkeit zu sagen, wenn sie eine Form annimmt, bei der Kunde und Verkäufer gleichermaßen Spaß haben, weil sie einander wie Menschen behandeln. Und von den beiden kleinen, alten und lauten Verkäuferinnen im Bacco Nudo wurde ich in erster Linie wie ein Mensch behandelt, was, Hand aufs Herz, doch eher selten ist. Florenz ist schön uns sehenswert, etc. Das stimmt ja auch alles. Zwei Sachen vielleicht noch. Ich habe bei wunderbar netten und gastfreundlichen Menschen übernachtet. Mein Bett stand direkt unter der Treppe des Arbeitszimmers meines Gastgebers, das ehemals ein Schweinestall war. Alles sehr toskanisch, dabei mitten in Florenz. Ich habe eine ruhige Nacht verbracht und einen der schrecklich schönsten Träume der letzten Jahre gehabt. Daraus lerne ich, dass Ortswechsel, zumindest was die Qualität von Träumen anbetrifft, unbedingt ratsam sind. Die andere Sache: Auf meinem Weg zum Bahnhof habe ich, weil ich noch einige Zeit totzuschlagen hatte, einige Umwege durch Seitengassen von Florenz genommen. In einer dieser Seitengassen habe ich im Vorbeigehen eine Szene beobachten können, die großen Eindruck auf mich gemacht hat. Vor dem Eingang eines Wohnhauses sah ich plötzlich ein Paar, ein Mädchen und einen Jungen von etwa 14 Jahren. Das Mädchen hielt den Jungen umklammert, der offensichtlich in dem Wohnhaus zuhause war, weil er im Gegensatz zu dem Mädchen eher Hauskleidung anhatte. Das Mädchen weinte heftig, schrie “No, no, no!” und erstickte dabei nahezu am eigenen Atem. Der Junge umamte das Mädchen offensichtlich nicht. Seine Körperhaltung hatte etwas Weggedrehtes, sein Gesichtsausdruck war bemüht kalt, mit Augen die in die Ferne schauen, etc. Es war eine dieser Sitautionen, in denen man nicht lange fantasieren muss, um auf eine Geschichte zu stoßen. Offenbar hatte der Junge sich von dem Mädchen getrennt, wahrscheinlich telefonisch oder per SMS, woraufhin sie zur Wohnung seiner Eltern gekommen ist, um über die ganze Sache zu reden. An der Tür konnte er sie nicht abweisen, wollte allerdings, aus Gründen die dieser oder jener Natur sein können, und die sich jeder denken kann, das Mädchen nicht in die Wohnung lassen. Also ist er in seiner Hauskleidung auf die Straße und zu dem Mädchen gegangen, nur um ihr nichts Neues sagen zu können. So oder ähnlich jedenfalls ist es gelaufen, und dass es so oder ähnlich gelaufen sein muss, muss jedem klar gewesen sein, sobald er oder sie die Situation auch nur eine Sekunde lang beobachtet hat. Die markerschütternde Klage des Mädchens und der kontrolliert abwesende Gesichtsausdruck des Jungen. Darin steckte eigentlich alles, was es über die Liebe zu sagen gibt. Man hätte die beiden in Marmor meißeln und zu den anderen Plastiken der Stadt stellen können. Dann wäre Florenz perfekt gewesen. So war es dies nur für mich, drei Sekunden lang.

Weinen

10.April 2008

Heute bei Germany’s Next Topmodel habe ich gleich nach fünf Minuten geweint, als Gina-Lisa und Sarah sich trennen mussten. Das hat mich etwas erschreckt, bis mir wieder eingefallen ist, dass ich in der letzten Nacht nur zwei Stunden geschlafen habe. Müdigkeit macht emotional.

April

10.April 2008

Ich wache vom Telefon auf und schalte es wieder aus. Letztens habe ich mir ein neues Telefon gekauft. Es ist schnurlos, und es hat eine Weckfunktion. Ich wache gut davon auf, manchmal bleibe ich aber noch zwei, drei Mal liegen. Dann stehe ich auf und öffne die Tür zum Balkon. Dann gehe ich ins Bad und mache klein. Meine Schlafsachen werden auf den Badboden geworfen, und ich steige in die Badewanne. In der Badewanne dusche ich dann, zuerst die Haare, dann den Rest. Ich stelle das Wasser immer so heiß, dass es gerade noch auszuhalten ist. Irgendwo habe ich gelesen, dass so eine heiße Dusche die Wirkung von zwei zusätzlichen Schlafstunden haben soll. Wenn ich fertig bin, trockne ich mich ab, ziehe eine Unterhose an und gehe in die Küche. Dort wird der Kaffeekocher fürs Kaffeekochen fertig gemacht. Dazu muß ich zunächst den alten Kaffee vom Vortag ausschütten und alles mit Wasser abspülen. Dann kommt Wasser in den Wasserbehälter und Kaffee in den Kaffeetrichter. Alles zugeschraubt und schon kann der Kaffeekocher auf die Herdplatte. Ich benutze immer die unten links, weil sie am besten heizt. Dann gehe ich in den Flur und ziehe mir den Rest an. Im Bad föne ich mir die Haare, weil es draußen immer noch sehr kalt ist. Wenn der Kaffee noch nicht durch ist, creme ich mir vielleicht auch schon das Gesicht ein, das inzwischen vom Duschen ganz ausgetrocknet und schuppig ist. Auf dem Weg zurück in die Küche schalte ich den Computer ein. Wenn der Kaffee noch nicht durch ist und ich noch etwas Zeit habe, ziehe ich mir vielleicht auch schon die Schuhe an. Ist der Kaffee durch, nehme ich den Kaffeekocher von der Herdplatte und mache meinen schönen blauen Michtopf sauber. Dann kommt Milch in den Topf und der Topf auf den Herd. Ich schalte die Herdplatte noch nicht aus, obwohl die Resthitze wahrscheinlich ausreichen würde. Aber dann würde ich denken, dass die Milch irgendwie nicht richtig heiß ist, und ich mag es, wenn die Milch richtig heiß ist. Solange die Milch auf dem Herd steht, bringe ich meine Bettwäsche in Ordnung und mache die Tagesdecke drüber. Die Milch ist danach meistens schon fertiggekocht, da muss man aufpassen. Dann mache ich eine weiße Tasse sauber und fülle den Kaffee ein, etwa die Hälfte des Kaffeekochers, was praktischerweise auch die Hälfte meiner weißen Tasse ausmacht. Dann kommt die Milch rein, aber nicht zuviel, gerade so, dass es noch ordentlich braun ist. Den Kaffee stelle ich auf den Schreibtisch. Vom Balkon hole ich mir den Aschenbecher, manchmal leere ich ihn in den Mülleimer aus und spüle ihn kurz ab. Schließlich setze ich mich vor den Computer und mache zuerst den Browser an. Wichtig: Niemals zuerst die Mails checken! Erst das Internet und SPIEGEL-Online. Für den Fall, dass was passiert ist. Meistens ist nichts passiert, aber ich klicke mich durch ein paar Artikel. Sobald ich ein bißchen von dem Kaffee getrunken habe, zünde ich mir eine Zigarette an. Würde ich die Zigarette vor dem Kaffee anzünden, käme ich mir asozial vor. Dann, aber erst dann, werden die Mails angeschaut. Wenn ich Glück habe, kommen keine schlechten Nachrichten. Dann mache ich mit dem Internet weiter und klicke mich durch andere Nachrichtenseiten. Nach der ersten Zigarette und nachdem der Kaffee alle ist, gehe ich wieder ins Bad, mache groß und lese einen Artikel in der VANITY FAIR. Danach wieder in die Küche, wo ich die Milch für die zweite Ladung warm mache. Bei der zweiten Tasse ist mir nicht mehr so wichtig, dass die Milch brühend heiß ist. Es reicht manchmal die Herdplatte nur pro forma für ein paar Sekunden anzuschalten. Die zweite Tasse Kaffee wird dann entweder vor dem Computer getrunken, oder ich gehe auf den Balkon. Danach packe ich meine Tasche, gehe ins Bad, um Zähne zu putzen, und ziehe mir danach die Jacke an. Bevor ich rausgehe, kontrolliere ich nochmals, ob die Herdplatte aus ist, dann gehe ich auf die Straße und zu meinem Fahrrad. So fängt jeder einzelne Tag an. Fast keine Unterschiede. Heute hat es geregnet, und ich musste meine Mütze anziehen.

Neuanfang

8.April 2008

Ach ja, ich hatte mal einen Blog! Habe ich immer noch, habe ich gerade festgestellt. Das Internet hat ein langes Gedächtnis, wie es neuerdings überall heißt. Ich hatte im September mit einem prätentiös-poetischen Text über Mücken angefangen und dadurch die Meßlatte so hoch gesetzt, dass ich in den Tagen darauf nicht mehr drüber kam. Aber eigentlich ist das alles eine gute Sache, deswegen lege ich heute neu los, diesmal ohne Ansprüche und notfalls selbstreferentiell bis zum Erbrechen. Eigentlich ist das ja so wie ein Tagebuch, nur dass man beim Tagebuch noch sicherer sein kann, dass es keiner sonst lesen wird. Aber Hand aufs Herz: Man muss nicht besonders narzisstisch sein, um selbst beim Tagebuchschreiben ab und zu daran zu denken, dass es jemand doch lesen könnte. Und selbst wenn man sich ganz sicher ist, dass es niemals und unter keinen Umständen passieren wird, dass das ganze Zeug jemals von irgendwem gelesen werden wird, ist im Prozess des Aufschreibens doch immer ein undeutliches Sich-An-Jemanden-Richten, eine leise Anrede enthalten. Schreiben ist nicht Denken. Den Raum des Privaten hat man auf jeden Fall schon mal hinter sich gelassen, zumindest in einem ersten Schritt. Vielleicht macht das auch den Reiz des Tagebuchschreibens aus. Ganz sicher ist es der Grund, weshalb ich damit aufgehört habe, als mein Leben anfing, mir selbst peinlich zu werden. Wie auch immer. Jedenfalls liest so einen Blog auch keine Seele, außer ich erzähle jemandem davon. Aber die Möglichkeit, dass es jemand liest, ist immerhin größer, verglichen mit dem Tagebuch. Und das Internet hat ein langes Gedächtnis. Naja, egal. Ich kann mal wieder nicht einschlafen, und da ist mir das mit dem Blog wieder eingefallen. Aber ab sofort schreibe ich über jede Scheiße. Wenigstens ein paar Zeilen am Tag, damit ich später mein Leben besser überblicken kann. Zum Beispiel, dass ich heute Charlie Wilson’s War gesehen habe, der ein für US-Verhältnisse sehr intelligenter und bissiger Film war. Philip Seymour Hoffman ganz großartig, etc.